Sonntag, 23. Juni 2013
Radio Unikat sendete aus dem Stalden Feld in Sarnen - Der Kunst- und Kulturbegriff - mit vielen Gästen
Direktlink zum Video bei Facebook, hier
Hier (<Link) habe ich das Projekt von Rahel Grunder vorgestellt. Endlich bin auch ich dazu gekommen, eine Sendung zu hören und ich muss sagen, dass sie, obwohl die Dauer mit 2 Stunden die Grenze kratzte, sehr viele Anregungen lieferte. Anregungen zum Nachdenken, zum Verständnis von Kunst und den damit verbundenen Problemen. Es gab Punkte, die eher befremdeten, Punkte die hinterfragt werden müssen, aber auch irgend wie "abgehoben" sich anhören.
Und es steht natürlich die Frage für mich im Raum: Sollen KünstlerInnen über Kunst sprechen? Begeben sie sich dadurch nicht in einen ElefenbeinTurm? aus dem sie nicht ohne Hilfe wieder heraus finden.
Ich freue mich auf die weiteren 2. Sendungen:
Die Sendungen werden nur live im Raume Obwalden und einmalig im Internet hörbar. Eine Wiederholung ist nicht geplant.
Samstag, 29. Juni 2013: «Stadtentwicklung Schweiz / Mobilität und Nachhaltigkeit», Moderation: Nina LakySonntag, 30. Juni 2013: «Partizipatives Wohnen und Genossenschaften», Moderation: Marco Justo Derungs
Alle weitere Infos finden sich auf www.uikate.ogge.ch - Hör'mal'zu!
Mittwoch, 19. Juni 2013
Radio Unikate - Ein Projekt von Rahel Grunder (20. - 30. Juni 2013)
Die älteren LeserInnen dieses Blogs können sich noch erinnern. Mittagszeit, 12:30 Uhr. Radio Beromünster sendet die aktuellen Nachrichten und alle TeilnehmerInnen des Mittagstisch mussten auf Geheiss des Vaters still sein. Anschliessend wurde über das Gehörte gesprochen, es bildeten sich Meinungen und Tatsachen.
Heute hat sich alles verändert. Das Schweizer Radio Beromünster gibt es nicht mehr (heute SRF). Die Nachrichten kann jeder individuell übers Internet oder als Download auf dem persönlichen Player anhören. Ja selbst der Familien-Mittagstisch muss den aktuellen Arbeitsgepflogenheiten weichen. Der Tagesrhythmus ist verschwunden und damit auch das Familiengespräch.
Rahel Grunder schreibt zu ihrem Projekt "Radio Unikate":
Welche Vorstellungen von Zusammenleben, Gesellschaftlichkeit und Partizipation im gemeinsamen Handlungsspielraum „Stadt“ haben wir, die wir uns alltäglich im urbanen Kontext fortbewegen?Ausgehend von Textbeiträgen der Masterabsolventin Rahel Grunder (Studiengang «Major Art in Fine Art and Public Spheres») entstehen 5 Sendungen zu unterschiedlichen Themen.
und macht sich mit verschiedenen Moderatoren auf die Suche nach Antworten. Auf die Suche nach Visionen, Realitäten und Erlebtem.
Sendeplan:
Radiostudio: Feldmoos, Stalden bei Sarnen (Karte)
Öffentliche Radiolounge u.a. im Spritzenhaus Sarnen, Dorfplatz
Die Radiosendungen finden jeweils von 13.00 – 15.00 Uhr statt:
Donnerstag, 20. Juni 2013: «Visionen und Realitäten», Moderation: Rahel Grunder
Samstag, 22. Juni 2013: «Heimat und Freiheit», Moderation: Samantha Tomarchio
Sonntag, 23. Juni 2013: «Der Kunst- und Kulturbegriff», Moderation: MC Graeff
Samstag, 29. Juni 2013: «Stadtentwicklung Schweiz / Mobilität und Nachhaltigkeit», Moderation: Nina Laky
Sonntag, 30. Juni 2013: «Partizipatives Wohnen und Genossenschaften», Moderation: Marco Justo Derungs
Freitag, 22. April 2011
Rahel Grunder: 13. Tag - Das Jagen ist mehr so ein Hobby
Rahel Grunder teilt mit:
Ich bewege mich in einem Dreieck zwischen Malen und Fortschritte machen in meiner Technik, Leute unterhalten, mein Umfeld beobachten und den permanenten Geräuscheteppich von Strassenlärm, Gesprächen, Handyklingeltönen und anderen Signalen wahrnehmen.
Ich befinde mich in einer Extremsituation im öffentlichen Raum. Alles ist extrovertiert und unpersönlich. Beim Malen bin ich in einer anderen Welt. Ich befinde mich irgendwo in mir drin und schau hinein. Ich sehe Farbkombinationen, Flecken, Striche, Flächen, Schattierungen und Rinnsale. Malen ist bei mir ein klarer Ablauf: Ich beginne mit Komposition von Farben und Flächen. Dann setzte ich Linien und „trenne“ Farben. In einer dritten Phase arbeite ich mit transparenten Schichtungen, um Volumen und Schattierungen zu kriegen. Zuletzt „modelliere“ ich einzelne Elemente im Bild.
Diese Innen-Aussen-Situation ist ein totales Spannungsmoment, das möglicherweise auch der Grund ist, warum meine Malaktion auf viele Leute irritierend wirkt.
Ich bin vertieft, in einer sehr intimen Auseinandersetzung mit meiner Malerei und dies im öffentlichen Raum. Es hat etwas Exhibitionistisches. Und dadurch wird es sehr provokativ, denn normalerweise stellt man ja nur beendete Kunstwerke aus.
Mit Pinsel und Farbe taste ich mich auf meinem Papierträger vorwärts. Die Sonne trocknet die Farbe schnell aus und meine Augen flackern.
„Kann ich dir etwas zu trinken anbieten?“ – „Kann ich DIR was zu trinken anbieten? Und Popcorn hats auch und setzt euch doch hin.“ Es ist viel zu heiss. Die meisten Besucherinnen meiner Performance suchen nach einer Viertelstunde den Schatten auf.
Viele Gespräche - eine Zusammenfassung:
Tim lernte zum zweiten Mal laufen. Er hat im Flugzeug nach Rom verschlafen und ist über das Himalayagebirge geflogen. Viele Inder malen Landschaften. In der Schweiz verkauft es sich nicht leicht. Bewilligungen sind eine langwierige Sache. Super Idee. Ich habe Mitleid mit den Füchsen.
Der gemalte Fuchs sieht nicht so tot aus, wie der auf der Vorlagefotografie.
Sind sie offiziell hier? Aber das kommt dann wieder weg, ja? Wie lange ist der schon tot?
Ich komme in einer Weile wieder, wenn man mehr sieht. Katja kauft ein Ticket nach Prag und teilt Lars mit, dass beim Torbogen tote Füchse sind, das freut ihn sicher.
Peter hat auch schon jede Menge Füchse ausgenommen. Aber essen mag er sie nicht. Das Jagen ist mehr so ein Hobby.
Zwei junge Hannoveraner, ein Pärchen, sind froh wieder nachhause zu dürfen. Sie hätten sich die ganze Zeit mit ihrem Opa gestritten, der in die Schweiz ausgewandert sei, weil hier alles so viel freier und sicherer sei als in Deutschland.
Man sollte doch jetzt noch Kontaktdaten austauschen. Leider habe ich kein Facebook.
Ich verlasse diesen prominenten Ort, packe meinen Wagen und ziehe mich zurück in mein Atelier, mein Untersuchungslabor, mein Auswertungsbüro. Jetzt brauche ich eine Pause vom öffentlichen Raum. Zumindest was das Malen anbelangt und wechsle vom handelnden in den beobachtenden Modus. Es muss sich alles etwas setzen. Ich träume auch schon vom Malen, wo soll denn das noch hinführen?
Rahel Grunder, 21. April 2011
Alles zu Rahel Grunder im kulturtv.ch –> hier
Donnerstag, 21. April 2011
Rahel Grunder: 12. Tag - „Willkommen in Luzern, der freundlichsten Einkaufsstadt der Welt“
Rahel Grunder teilt mit:
Auf dem Kapellplatz steht der Fritschibrunnen. Das Wahrzeichen der Luzerner Fasnachtstradition. Und beliebtes Vorzeigebeispiel Luzerner Geschichte während Touristenführungen.
Es ist nämlich so, dass der Fritischi Vater im 15. Jahrhundert weit oben im Obernau zurückgezogen gelebt hat. Nur einmal jährlich, zur Fasnacht kam er mit der Fritschene, seiner Frau nach Luzern um in einem Spunten etwas trinken zu gehen. An jenem Abend spendierte der Fritschi Vater allen Leuten im Restaurant die Getränke. Aus dieser Erzählung entstand die Tradition des Orangenverteilens und der Zunft rund um den Fritischi Vater, die bis heute gross gefeiert wird.
Ungefähr so wurde mir die Sage des Fritschi Vaters im historischen Museum in Luzern erzählt.
Ob diese Geschichte den eingefleischten Fasnächtlerinnen wohl bekannt ist?
Heute, während dem Malen auf dem Kapellplatz erfuhr ich, mit einem Ohr zuhörend dann noch die erste Hälfte der Geschichte, das Wesentliche: Wie in Luzern die Fasnacht Einzug gehalten hatte.
Die Luzerner Obrigkeit hatte damals im Spätmittelalter Angst, es könne eine Revolution in Luzern ausbrechen. Um dies vorzubeugen, gewährte sie den Bürgerinnen einmal im Jahr während einer ganzen Woche die Narrenfreiheit.
Ich wurde etwas nachdenklich bei dieser simplen Erzählung, welche die Stadtführerin ihrer amerikanischen Touristengruppe vortrug. Hier wurde ein Bild vermittelt, das so gar nicht deckungsgleich mit dem Bild ist, das ich von Luzern habe.
Ich bin zwar ganz und gar keine Fasnächtlerin, spüre jedoch auch nicht wirklich eine Grosszügigkeit Seiten der „Luzerner Obrigkeit“ bezüglich Narrenfreiheit.
Besonders dort wo das Wahrzeichen der Fasnacht steht, in der Altstadt, gibt eine bestimmte Gruppe von Menschen den Ton an: Die Cityvereinigung.
Das Hauptziel dieses Vereins ist die Maximierung des Marktumsatzes. So wohnen der Vereinigung auch mit Vorlieben Geschäftsführerinnen von Manor, Globus und Gübelin bei.
„Willkommen in Luzern, der freundlichsten Einkaufsstadt der Welt!“ verspricht der Slogan ihrer Hompage. Ob die amerikanische Touristengruppe zum Stadtrundgang wohl auch so begrüsst wurde?
Was jedoch auf keinen Fall erwähnt wurde ist, dass in der Schweiz das Recht auf freie Meinungsäusserung und Demonstrationsrecht, im Fall Luzern aufs gröbste, beschnitten wird.
So ist es in Luzern kaum noch möglich während Ladenöffnungszeiten eine Demonstration durch die Innenstadt durchzuführen. Wird dies trotzdem gemacht (und das Schweizerische Gesetzbuch verankert unter anderem auch das Recht auf spontane Demonstrationen) muss mit dem Einschreiten der Polizei und Geldstrafen rechnen.
Demonstrationen in der Innenstadt schränken das Konsumverhalten der Passantinnen und dadurch den Umsatz ein. Verständlich ist deshalb, dass die Cityvereinigung und folglich auch die Stadtverwaltung alles daran setzt, dies zu verhindern.
Ein Hoch aufs Shopping – der einzigen verbleibenden Aktivität im öffentlichen Raum!
Ich setze einen Gegenpol, in dem ich meine Plakatstellwand genau neben dem Fritischibrunnen platziere. Nun werden die Touristinnen durch meine Malerei vom historischen Monument abgelenkt und hin und wieder stellen sie sich die Frage: „What about Streetart in Lucerne?“
Ich sehe diese Frage als Aussaat, die allmählich zu keimen beginnt. Selbst in Luzern kann der Frühling nicht aufgehalten werden. Ich freue mich auf den Sommer.
Rahel Grunder, 20. April 2011
Es geht weiter:
Donnerstag, 21. April 2011 – 11-15 Uhr Torbogen beim Bahnhof Luzern
Weitere Infos zum heutigen Tag –> hier
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Mittwoch, 20. April 2011
Rahel Grunder: 12. Tag – Phase 2 – Kapellplatz
Eigentlich wollte ich zu meinen täglichen Aufnahmen aus den begleitenden Arbeiten zu Rahel Grunder keine Texte schreiben. Doch heute kann ich nicht anders.
Rahel Grunder beendete den ArbeitsTag, das Plakat malen, mit dem üblichen Zusammenräumen und setzte sich neben uns auf die Steintreppe bei der Kapelle. Plötzlich, aus “heiterem Himmel” sagte sie: “Hier haben sogar die Bäume die Form der Plakate”
Ehrlich gesagt, ich war sprachlos, rannte zu den Bäumen mit dem Fotoapparat und musste abdrücken. Phantastisch, Rahel! Ich liebe solche Entdeckungen. Danke!
nicht mobil gebloggt
Rahel Grunder: 11. Tag - Wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen
Rahel Grunder teilt mit:
„Dieser Hase hat ein wenig lange Beine. Deshalb habe ich ihn nicht gerade als solchen erkannt. Aber Sie können das ja noch ändern. Ich komme später nochmals schauen!“
Die Bushaltestelle Kantonalbank ist ein Ort, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen. Dort trifft man zu jeder Tages und Nachtzeit auf irgendwelche Gestalten.
Manchmal auch mehrmals die gleichen und alle gehen einer Beschäftigung nach: Sie warten auf den Bus.
So finden hier auch Gespräche in Bus-Warte-Längen statt. Meistens muss die Gesprächspartnerin genau dann auf den Bus, wenn die Diskussion langsam spannend wird. Dies ist so zwischen drei und fünf Minuten. Dafür hatte ich heute extrem viele verschiedene Begegnungen und alle hatten irgendwie Zeit, zumindest solange sie auf den Bus warteten. So alle zehn Minuten wurde ich angesprochen und das Malen rückte immer mehr in den Hintergrund.
Ich wurde mit Blumen beschenkt, um Rat gefragt welche Museen sehenswert sind und besonders Männer zwischen fünfzig und sechzig bevorzugten es, mir während dem Gespräch den Arm um die Schulter zu legen.
Ich male nur noch tote Füchse und immer mehr Jäger und Tierschützer melden sich zu Wort. Scheinbar hat WWF sein 50 jähriges Jubiläum, da würde ich ja noch gut dazu passen.
Und viele Leute erzählen mir ihre Geschichten mit Wildtieren im hauseigenen Garten. Igel, Marder, Ratten und Füchse. Und immer wieder Diskussionen über Schweizer Politik.
Durch das schöne Wetter sind die Passantinnen in guter Laune und finden deshalb auch mein Malprojekt gut. Besonders Kinder wollen immer genau wissen, was ich da mache und man sieht in ihren Augen, dass sie am liebsten gleich mit malen würden.
Dass ich auf einer freistehenden Plakatwand male macht einen enormen Unterschied zu den Fixplakatstellen von Modul. Die Plakatwand hat zwei Seiten und oft suchen die Leute eine Art Fortsetzungsgeschichte. Sie scheinen besser zu verstehen, dass ich ein „Plakat male“ und anerkennen dies auch als solches. Und besser noch. Sie finden es schöner als die klassischen Werbeplakate, denn es leuchtet mehr und ist intensiver in den Farben, als ein gedrucktes Bild.
Ich merke durch die Reaktionen der Menschen immer deutlicher, dass ich mein Ziel, durch Malerei mit den Passantinnen in Kontakt zu kommen und mit ihnen über meine Aktion im öffentlichen Raum zu diskutieren, voll umfänglich erreicht habe, Es läuft sogar so gut, dass ich oft gegen Schluss des Nachmittags total erschöpft vom vielen reden bin, die Besucherinnen jedoch kaum noch ein Ende finden und mir am liebsten ihr halbes Leben erzählen möchten.
In diesen Momenten hoffe ich dann jeweils auf den nächsten Bus.
Es geht weiter:
Mittwoch, 20. April 2011 - 10-16 Uhr Kapellplatz
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Dienstag, 19. April 2011
Rahel Grunder: 11. Tag – Phase 2 – Kantonalbank
mobil gebloggt
Rahel Grunder: 10. Tag - Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom
Rahel Grunder teilt mit:
Heute hätte ich fast zwei Touristinnen und ein Polizeiauto erschlagen. Mit einer Plakatstellwand aus Edelstahl und Beton. Auf einem Harassenrolli verfrachtete ich sie vom Schwanen- zum Falkenplatz und kam mir unheimlich stark vor.
Die zahlreichen Asiaten, die für mich alle sehr gleich aussahen und beunruhigend nahe an mich heran traten mit ihren Fotoapparaten fanden meine malerischen Fähigkeiten nicht so stark und sahen in mir eine Touristenattraktion. Anders als an der Kunsti in Luzern, wo Malerei frei vermittelt wird, herrscht in China eine sehr strikte klassische Malausbildung. Ich fühlte mich ein wenig unwohl, wie so oft wenn ich fotografiert werde und stellte mir vor mein grauer Plastik auf dem ich stand sei eine Insel mitten im Meer. Die Strömung von Menschen zog an mir vorbei und ab und an blieb ein Blick an mir hangen, bevor er sich losriss und weiter schwamm.
Ruedi vom Berneroberland besuchte mich spontan und wir gerieten in eine total spannende Diskussion über die Überproduktion von Lebensmittel, Gleichstellung von Frau und Mann, Politik und über Werbung.
„Warum verkaufen sich Äpfel, die einen „Hick“ haben weniger gut, als einwandfreie?“
„Warum lassen sich so viele Frauen für billige Werbungen in Unterwäsche fotografieren? Merken sie nicht, dass sie somit das Bild der Frau in unserer Gesellschaft abwerten?“
„Warum haben so viele Menschen Pollenallergie?“
„Warum sind Parteien wie Schnittlauch?“ – „Beide sind innen hohl!“
Ruedi kommt ursprünglich aus der Chemieindustrie, kennt Christoph Blocher persönlich und erklärte mir, dass Leute mit Heuschnupfen ihre Allergie abschwächen können in dem sie übers Winterhalbjahr täglich einen Teelöffel einheimischen Blütenhonig essen und sich der Körper dadurch bereits an die Pollen gewöhnt.
Er verriet mir auch wo man in der Schweiz am besten Wildkatzen beobachtet. Dies würde er jedoch nicht allen erzählen, ich sei da eine Ausnahme.
Schliesslich sei ich ja eine, die nicht mit der Masse gehe und das gefalle ihm.
„Das Problem unserer Gesellschaft ist, dass wir nicht mehr selbständig denken!“, sagte Ruedi zu mir. „Und deine Arbeit gibt einen Denkanstoss. Das finde ich gut.“
Doch auch Ruedi schwamm weiter und liess mich Gedanken versunken auf meiner Insel zurück.
Nach einem zähne Einstieg ins Malen kam ich langsam in den gewohnten Fluss und plötzlich machten mir die vielen beobachtenden Kaffeetrinker vor dem Heini nichts mehr aus. Mein treuer Begleiter Roger Levy tauchte auf und gesellte sich zu mir. Auch Frau K vom KKL, Fräulein L von der Kunsthochschule und Herr M, der ehemalige Videostudent erfreuten mich mit ihrem Besuch.
Der Falkenplatz war sonnenüberflutet und ich malte mit Gegenlicht. Heute war ein Sprung ins kalte Wasser. Ich bin eine Exotin unter Eingefleischten. Ich und die Telefonkabine neben mir. Die einzigen ruhigen Elemente und etwas aus der Mode gekommen.
Dafür freute es mich umso mehr, als ein älterer Herr zu mir kam und sagte: „Endlich mal etwas realistisches. Direkt gemalt und nicht nur ausgedruckt!“
Bin ich realistischer? – Es braucht unheimlich viel Energie gegen den Strom zu schwimmen.
Es geht weiter:
Dienstag, 19. April 10 - 16 Uhr Bushaltestelle Kantonalbank Luzern
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Montag, 18. April 2011
Rahel Grunder: 10. Tag – Phase 2 – Falkenplatz
Rahel Grunder lädt ein zur „Invasion der Stadtfüchse“
| Montag, | 18. April 11 - 16 Uhr Falkenplatz |
| Dienstag, | 19. April 11 - 16 Uhr Bushaltestelle Kantonalbank |
| Mittwoch, | 20. April 11 - 16 Uhr Kapellplatz |
| Donnerstag, | 21. April 11 - 16 Uhr Torbogen *** |
*** Invasion der Stadtfüchse beim Torbogen (beim Bahnhof) Luzern !Live!
Donnerstag, 21. April 2011 11:00 bis 16:00 Uhr.
Bringt eure Feldstecher, Klappstühle und Sonnenbrillen mit!
Popcorn vorhanden!
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Donnerstag, 14. April 2011
Rahel Grunder: Netzwerke im Komopstorganismus
„Kennst du schon Rahel Grunder? Sie hat ein spannendes Abschlussprojekt am laufen und ist total gut vernetzt!“, stellte mich meine Theoriedozentin heute einer Studentin des Masterstudiengangs Master of Arts in Public Spheres vor.
Nach eineinhalb Stunden Diskussion über den Begriff „Public Spheres“ – öffentlicher Raum kam mir kein Smalltalk mehr in den Sinn.
Mein Argument: Öffentlicher Raum bedeutet offener Raum und ein offener Raum ist nur offen, wird er nicht durch Verhaltensvorschriften und Regeln eingeschränkt, ansonsten handelt es sich nicht mehr um „den“ öffentlichen Raum, sondern um kontrollierten öffentlichen Raum, halböffentlichen oder Privatraum.
Ihr Argument: Von so einer absoluten Definition kannst du nicht ausgehen. Denn solchen Raum gibt es schlicht weg nicht, hat es nie gegeben. Überall herrschen Regeln und Vorschriften, das war schon immer so. Wir leben innerhalb eines westlichen Rechtsstaates und es gibt verschiedene Formen von öffentlichem Raum. Viel interessanter ist jedoch zu beobachten welche Arten von Aktivitäten im öffentlichen Raum ausgeübt werden.
„Nichts, eben wird nichts mehr aktiv im öffentlichen Raum getan. Ausser shoppen vielleicht noch und joggen, doch selbst dies unterliegt einem Modediktat unserer Gesellschaft und klammert eigenständiges Denken aus.“
Und so wird der öffentliche Raum allmählich von den Regeln und Vorschriften, was denn hier oder da getan werden muss oder nicht, verschluckt, zerkaut und ausgespuckt. Was dabei rauskommt sind Räume, die optisch und physisch clean und hermetisch abgegrenzt sind und somit alles „nicht Erwünschte“ per se ausklammern.
In einer Betonwüste umherirrend steigt mir der Geruch von vergammelnden Müllsäcken in die Nase. Es ist April und viel zu heiss.
Gerade in diesem Moment wird auf dem Emmiareal die Butterzentrale abgerissen und ein neuer Wohnkomplex soll das klaffende Loch zieren.
Ich bin hier nicht in Luzern, der Kulturstadt. Ich bin in der Tribschenstadt, der Wohnoase für den mehrbesseren Luzerner Mittelstand. Getrennt durch die Langensandbrücke ist sie neben der Alt- und Neustadt der dritte Stadtteil und macht die Luzerner Stadtregierung unheimlich stolz. Das ehemalige Industriegebiet soll nun die Endlösung im Kampf gegen die Wohnungsnot sein. Momentan sind diverse Kulturhäuser wie zum Beispiel das La Fourmi, das Frigorex, der Theaterpavillon und der Jugendkulturtreffpunkt Treibhaus sowie das Konzerthaus Schüür in diesem Quartier beheimatet. Sie waren es, die neues Leben in diesen Stadtteil gebracht haben.
Mir kommt das Bild eines Komposts in den Sinn, wobei mir der Geruch nach Verwesung nicht ganz unpassend erscheint.
Ein ehemaliges Industriegebiet, ein „ausgelaugter“ Boden, ein altes Gebäude, leerstehend, ausgedient. Ist wirtschaftlich nicht interessant, denn in diesem Stadtteil gibt es nichts ausser den Strassenstrich und Tankstellen. Nicht mal die Aussicht ist bemerkenswert.
Kaum wird diese tote Hülle weggeworfen, kommen erste Insekten, Würmer und Kriecher und ernähren sich von dem verbliebenen Zellstoff und den Fasern. Es geschieht eine Umwandlung und eine Wiederbelebung. Etwas Neues entsteht und lockt Sommervögel, Bienen und Igel an. Aus Samen, herangetragen von fernen Ostwinden, spriessen Wildblumen und Gräser.
Die Luft ist erfüllt von emsigem Gebrumme und erfrischenden Düften.
Ein Ökosystem entsteht und neuer Humus wird produziert.
Das macht auch die grösseren Tiere neugierig. Wild, Greifvögel, Raubtiere und schliesslich sogar Elefanten. Sie wittern Beute und setzen zum Sprung an.
So sehe ich die Entwicklung, von der Entstehung eines Kulturzentrums bis zu seiner Auflösung.
Die grossen Tiere, also Bauverwaltung, Privatinvestoren, Stadtverwaltung wollen möglichst viel Profit aus diesem Ort schlagen, denn die Verwandlung, die Kompostierung hat ganz neue spannende Aspekte dieses Ortes entstehen lassen. Flügel sind zum fliegen da und deshalb müssen die kleineren Tiere, die wendiger und flinker sind weiter ziehen. Dies tun sie auch immer, denn anderenfalls werden sie zertrampt.
Ich denke es wird unterschätzt, welchen Stellenwert die Kultur in unserer Städteplanung trägt, denn ich bin der Meinung, dass sie einen wesentlichen Beitrag zur Fruchtbarkeit unseres Stadtraumes beiträgt. Ohne kulturelle „Vorbearbeitung“ und „Aufwertung“ gewisser Zonen kann kein frischer Humus für die Grundlage neuer Stadtviertel gebildet werden.
Ob die Kulturlandschaft der Stadt Luzern weiterhin bereit ist, diese Aufgabe so selbstlos zu übernehmen ist fraglich!
Rahel Grunder, 13.4.2011
... und so geht es weiter, im “Öffentlichen Raum”:
Montag, 18. April 10 - 16 Uhr Falkenplatz
Dienstag, 19. April 10 - 16 Uhr Bushaltestelle Kantonalbank
Mittwoch, 20. April 10 - 16 Uhr Kapellplatz
Donnerstag, 21. April 10 - 16 Uhr Torbogen ***
*** zu diesem Tag wird es noch eine gesonderte Einladung geben. Merkt euch jedoch diesen Tag schon mal ganz besonders vor.
Freitag, 8. April 2011
Rahel Grunder: 9. Tag - Ende der Reise
Rahel Grunder teilt mit:
„Wollen Sie einen Flug buchen?“, fragt mich die Mitarbeiterin des Reisebüros Flora. „Nein! Ich habe doch hier noch so viel zu erledigen,“ denke und „Wäre schön,“ antworte ich.
Zum ersten Mal in meinem Leben sitze ich auf einem Erstklassflugsitz der in einem Reisebüro steht und zum ersten Mal seit zwei Wochen warte ich eine halbe Stunde auf die Erlaubnis, dass ich malen darf. Ich fühle mich wie ein Elefant im Porzellan mit meinen farbbekleckerten, löchrigen Malerkleidern.
Schliesslich kann die Verbindung zum Chef in Miami oder sonst wo hergestellt werden und ich beginne meine Farben anzurühren.
Nach zwei Wochen Malen im öffentlichen Raum fühle ich mich ausgelaugt. Vom Wetter, dem frühen Aufstehen, den vielen Eindrücken und Gesprächen mit Passantinnen.
Die Begegnungen wiederholen sich zum Teil in ihrer Art oder dem Verlauf. Dennoch ist jede Auseinandersetzung individuell und spannend. Ich habe noch nie in so kurzer Zeit so viele Menschen auf der Strasse kennen gelernt.
Jetzt bei dem schönen Wetter gleicht Luzern einem Bienenhaus und Drohnen sowie viele Arbeiterinnen schwärmen aus und tun total geschäftige Dinge.
Die Königinnen räkeln sich in der Sonne und geniessen die Wärme.
Heute habe ich nicht so Lust auf tiefe Gespräche. Ich male eilig, denn die Acrylfarbe trocknet in der Sonne noch schneller als sonst.
Ich kriege Besuch von einem jungen Mann aus Afrika, von wo genau weiss ich leider nicht. Er wohnt seit zwei Jahren in der Schweiz, malt auch und verbringt mangels sprachlicher Kenntnisse lange Zeit neben mir schweigend, beobachtend. Das finde ich total angenehm.
Dann die Frau vom Reisebüro. Sie findet es toll, das mit den Füchsen. Und irgendwie amüsant. Und dann geht sie wieder in ihr schattiges Büro und ich sehe ihr an, dass sie gerne mit mir den Arbeitsplatz tauschen würde.
Ich entscheide mich, dies als letzter Tag meiner ersten Staffel Malaktion zu deklarieren. Ich brauche eine Pause vom öffentlichen Raum. Viele Eindrücke, die verarbeitet werden wollen, schwirren in meinem Kopf herum.
Mit wem muss denn nun mal ein ernstes Wörtchen geredet werden bezüglich der Nutzung und Gestaltung des öffentlichen Raumes?
Ich beginne von oben: Stadtrat, Amt für Veranstaltungen im öffentlichen Raum, Bauverwaltung, Polizei, SIP (Sicherheit, Intervention, Prävention), Architektinnen, Raumplanerinnen und nicht zu letzt auch noch die Strassenfegerinnen und Abwärtinnen. Was ich denke und was jedoch auch vergessen geht ist, dass wir Menschen, die den öffentlichen Raum täglich benutzen und dadurch auch gestalten, dass wir diejenigen sind, die am Anfang jeder Nutzungsentscheidung stehen. Alle weiteren aufgezählten Institutionen und Ämter sind angestellt um unsere Interessen zu vertreten, nicht zu beschneiden und daran sollten wir sie ab und an auch mal erinnern. Wenn es uns selbst mal in den Sinn käme!
Rahel Grunder, 7.4.2011
Rahel Grunder ist am Freitag, 08. April 2011 an folgenden Orten anzutreffen:
Wie Rahel Grunder in ihrem Bericht mitgeteilt hat, ist die erste Staffel beendet. Es geht aber weiter, in veränderter Form. Hier die Daten als Vorschau und für den interessierten Kalender:
Montag, 18. April 10 - 16 Uhr Falkenplatz
Dienstag, 19. April 10 - 16 Uhr Bushaltestelle Kantonalbank
Mittwoch, 20. April 10 - 16 Uhr Kapellplatz
Donnerstag, 21. April 10 - 16 Uhr Torbogen ***
Samstag, 23. April 10 - 16 uhr Luzerner Theater
*** zu diesem Tag wird es noch eine gesonderte Einladung geben. Merkt euch jedoch diesen Tag schon mal ganz besonders vor.
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Donnerstag, 7. April 2011
Rahel Grunder: 9. Tag - 19. Ort
Rahel Grunder: 8. Tag - Die Rückeroberung
Rahel Grunder teilt mit:
Heute wage ich zum ersten Mal das Terrain der Altstadt zu betreten. Im Löwengraben herrscht mediterrane Stimmung und Studentinnen, Verkäuferinnen sowie Touristinnen führen ihre FlipFlops spazieren.
Die Sonne brennt mir auf Gesicht und meine durch einen hartnäckigen Schnupfen gerötete Nase juckt und lenkt mich vom Malen ab. Ich fühle mich fiebrig und eigentlich so gar nicht in Stimmung, mich der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Doch weil ich am Montag bei Regen gemalt habe, so muss ich auch jetzt mit Erkältungsgrippe mein Projekt durchziehen. Schliesslich geht es mir darum den öffentlichen Raum für die Kunst zurück zu erobern und vielleicht ist dies anderen Menschen bisher nicht gelungen, weil sie zu wenig hartnäckig hinter der Sache her waren und das Vorhaben an einer Grippe gescheitert ist?
Stück für Stück verfolge ich mein Ziel: Die Bespielung des öffentlichen Raumes durch Malerei. So wie ich Füchse in der Stadt aussetze, so sammle ich Statements von Passantinnen. Standartaussage ist, dass ihnen meine Arbeit gefalle und sie Freude an den Bildern hätten. Es überrascht mich, dass ich bisher noch keine einzige negative Rückmeldung gekriegt habe.
Liegt dies an meinem lieblichen Sujet, den Füchsen? Sind sie zuwenig rebellisch und provokativ? Vor allem Kinder finden es sehr spannend mir zu zuschauen und den ungeduldigen Elternteil mit voller Einkaufstüte warten zu lassen.
Ich glaube Menschen mögen die Verbreitung schöner und positiver Themen im Alltag. Es reduziert die vielen Probleme und Missstände, die auf unserer Welt herrschen und täglich in Fernseher und Zeitung thematisiert werden.
Hätte ich ein anderes Motiv wählen sollen? Doch wenn ich zum Beispiel Bilder von hungernden Kindern malen würde, würde ich mich dann nicht sehr schnell zwischen Zeigefinger anhebenden und Geld sammelnden Hilfsorganisationen wieder finden?
Um diese Art von Gruppierungen machen wir doch wenn es auch nur irgendwie geht einen riesigen Bogen, was ich bei meinem Projekt auf gar keinen Fall bezwecken möchte.
Meine Kritik an unserer Gesellschaft ist viel subtiler und nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Eine Rückeroberung des öffentlichen Raumes für Kunstaktionsformen ist ein grosses Ding und ich bin zu klein um dies alleine durchzuführen.
Hoffentlich bringe ich durch meine Malaktion einen Stein ins Rollen, der wiederum einen weiteren ins Rutschen bringt. Ist man erstmal über den Schatten des sich peinlich beobachtet Fühlens hinweg, so macht es grosse Freude die eigene Kunst im öffentlichen Raum zu positionieren.
Ich fordere hiermit alle Kunstschaffenden in Luzern und im einsamen Atelierkämmerchen auf: Tragt eure Kunst in die Welt hinaus! Unsere Gesellschaft braucht mehr Kunstaktionsformen im öffentlichen Raum. Ansonsten vergisst sie die Vielfalt der Möglichkeiten die wir haben, unseren öffentlichen Raum zu bespielen und somit ist dies der Tod des öffentlichen Raumes und jeglichen kulturellen sowie kreativen Freiraumes.
Rahel Grunder, 5.4.2011
Rahel Grunder ist am Donnerstag, 07. April 2011 an folgenden Orten anzutreffen:
12:00 – 13:30 Uhr Anker, Pilatusstrasse 36
13:30 – 15:00 Uhr Flora Reisen, Pilatusstrasse 8a
15:00 – 16:00 Uhr Le Bistro du Théatre, Theaterstr. 13a
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Mittwoch, 6. April 2011
Rahel Grunder: 8. Tag - 17. Ort
mobil gebloggt
Rahel Grunder: 7. Tag - Zwischen Privatem und Öffentlichem
Rahel Grunder teilt mit:
Beim Modul ziert seit gestern ein erhängter Fuchs die Bürowand. „Willst du die Nummer des Künstlers?“, fragt mich Marco mit seinem stets ironischen Unterton.
Es entsteht eine Diskussion unter den Mitarbeiterinnen der Plakatverteilfirma was denn nun mit diesen Füchsen zu tun sei.
Die Lebensdauer eines Plakats ist nicht besonders lang und deshalb gebe ich die Füchse den Mülleimern frei, liegt mein Hauptinteresse doch bei der Malaktion an sich und nicht bei einer Fuchsbildsammlung. Die filmischen und fotografischen Dokumente müssen genügen. Doch das sehen die Modulmitarbeitenden anders.
Ist das gemalte Plakat nun Eigentum der Kunstschaffenden, der Plakatfirma die mir die Werbestelle zur Verfügung gestellt hat oder sogar dem Hausbesitzer dessen Fassade ich bebildert habe?
Ist es Diebstahl wenn jemand das Bild entfernt?
Die Vorstellung, etwas zu produzieren das besitzlos ist, ist schwer nachvollziehbar, nicht zu letzt weil in unserer Gesellschaft alles irgendwem gehört, zumindest theoretisch und vielleicht auch nur um das Bedürfnis nach Sicherheit zu decken.
Wie würde unser Zusammenleben aussehen, wenn es keine Einteilung in Besitz, also Privates geben würde?
Guido Brendgens schreibt in seinem Text über den Verlust des öffentlichen Raumes: „Dort, wo nur Privaträume existieren und kein öffentlicher Raum besteht, macht das Private keinen Sinn, da zur Privatheit die Öffentlichkeit gehört wie zum Tag die Nacht.“
Umgekehrt könnte man demzufolge sagen, dass ohne Privatheit alles Öffentlichkeit und somit der Begriff „öffentlich“ überflüssig wäre.
Ich frage mich deshalb: Was unterscheidet den öffentlichen Raum, den gemeinsamen und besitzlosen, vom privaten Bereich?
Der öffentliche Raum gilt theoretisch als offener Raum, in dem jegliche Formen von Leben stattfinden können. Der öffentliche Raum gleicht einem Plenum das basisdemokratisch funktioniert und der Ausdruck freien Handelns schlechthin ist. Dieser Gedanke gefällt mir.
Probiere ich diese sehr heruntergebrochene Definition jedoch auf einen realen Raum zum Beispiel in Luzern anzuwenden so finde ich keinen. Selbst in den Parks gibt es Verhaltensvorschriften und Verbote und damit diese eingehalten werden errichtet man Überwachungskameras und lässt Securitypersonal patrouillieren.
Beim Malen bewege ich mich bewusst in einer Grauzone zwischen privatem und öffentlichem Raum und deshalb ist die Begegnung mit solchen Sicherheitsmassnahmen äusserst spannend, denn niemand weiss genau, wer denn nun zuständig ist.
Ich setze mir zum Ziel den öffentlichen Raum in seiner ursprünglichen Definition zu nutzen und zu gestalten und nehme mir möglichst viele Freiheiten heraus dies durch mein Malprojekt zu tun.
Rahel Grunder, 5.4.2011
Rahel Grunder ist am Mittwoch, 06. April 2011 an folgenden Orten anzutreffen:
12:00 – 14:00 Uhr Gibraltarstrasse 20. Schaukasten
14:30 – 16:00 Uhr Löwengraben 7
16:30 – 17:30 Restaurant Goldener Stern, Franziskanerplatz
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Dienstag, 5. April 2011
Rahel Grunder: 7. Tag - 14. Ort
Rahel Grunder: 6. Tag: Regen, Latexhandschuhe und Geduld
Rahel Grunder teilt mit:
Heute steht Regen auf der Menukarte, wie dies noch öfters der Fall ist in Luzern.
Roger Levy besuchte mich nur ganz kurz und nach dem er mich endlich gefunden hatte, kniend vor dem überdachten Grilltresen des TexMex Restaurants, bemerkte er trocken: „ Ich habe mir doch gedacht, dass du einen Unterschlupf gefunden hast, wie ein Fuchs halt.“
Dass mein Unterschlupf sehr sehr dreckig ist und sich mein Abdeckplastik im Prinzip erübrigt hätte, fiel mir erst auf, als der Mitarbeiter vom Modul kam und mich darauf hinwies, dass an den Plakatstellen teilweise sogar Urinspuren vorhanden seien. Meine Latexhandschuhe für alle Fälle kamen deshalb heute zum ersten Mal zum Einsatz.
Meine Füchse sind diese Woche frech oder tot. Sie spüren den Frühling, raufen sich oder klettern süssen Beeren nach. Im Internet finde ich viele Bilder von überfahrenen, die Eingeweide heraushängende, aufgehängte oder verwesende Füchse. Ich selbst habe erst ein Mal einen überfahrenen Fuchs in echt gesehen. Manchmal sieht man überfahrene Igel, Katzen, Vögel, Mäuse, Ratten, aber nicht sehr oft.
Was viele Leute nicht wissen ist, dass es in jedem Kanton ein Amt gibt das in der Nacht alle überfahrenen Tiere einsammelt und „entsorgt“. Eine Art Tierleichenlittering-Bekämpfungsstelle. So richtig schweizerische Cleanness.
Wie fast jeden Tag bekam ich auch heute Besuch von Bekannten und Unbekannten. Immer wieder ermutigende Worte, „Gute Idee“, „Ich habe dich schon letzte Woche gesehen – super!“ oder „Endlich mal etwas anderes als Werbung“.
Es kommen jedoch auch kritische Fragen und Bemerkungen.
„Warum versteckst du dich hier zwischen Hauseingang und Mauer? Malst du auch an öffentlicheren Stellen, wo dich die Leute besser sehen? Willst du nicht auf deinem Wagen einen Text hinhängen, der beschreibt, was du da machst? Verstehen die Leute, was du aussagen willst? Was willst du überhaupt damit aussagen? Dieser Fuchs braucht noch etwas mehr Orange auf dem Rücken, sonst ist er kein richtiger Fuchs!“
Malen, Reden, Beobachten, Reden, Malen, Grüssen, Nicht Grüssen. Nachstarren. Denken? Was denken die Leute? Denken sie überhaupt etwas?Denke ich etwas, wenn ich durch die Stadt laufe?
Ich denke schon.
Manchmal spüre ich, dass ich die Geduld etwas verliere. Die Geduld den Leuten zu erklären, obwohl ich finde, sie sollten sich mehr Zeit nehmen und einfach mal hinschauen. Eine Abfolge von Gedanken setzen sich in meinem Kopf zusammen, die für mich das Resultat ergeben, dass man besser hinschauen, beobachten sollte, will man etwas verstehen. Diese Abfolge geht so: Wir laufen durch die Strasse und werden von Bildern, Informationen und Geräuschen überflutet. All diese Reize sind eine Überforderung für uns und zwingen uns dazu, auszufiltrieren. Wir beginnen gewisse Dinge zu übersehen. Zum Beispiel, dass da eine Person am malen ist, wo sonst nie jemand am malen ist.
Weil die Farbtöpfe jedoch das Trottoir versperren und man darum herum laufen muss, schauen wir trotzdem hin und fragen uns, was diese Person da macht. Entweder fragen wir, bleiben stehen und beobachten oder gehen weiter und denken darüber nach.
Will ich meinerseits jedoch wirklich herausfinden, was da passiert, wenn ich auf der Strasse male, so muss ich es immer und immer wieder durchführen. Verschiedene Orte austesten und auf die feinsten Berührungen zwischen Passantinnen und mir reagieren. Dies kann unter Umständen auch nur ein „Grüezi“ oder ein Lächeln sein. Es passiert enorm viel im öffentlichen Raum. Oft ist es jedoch so subtil, dass es schnell übersehen wird.
Ich weiss auch nicht, was ich genau mache auf der Strasse, aber ich merke immer mehr, dass es notwendig ist, sich die Zeit zu nehmen es zu tun und die Geduld zu haben es durchzuziehen. Beim Malen ist dies dasselbe und Malen auf der Strasse ist sozusagen das Maximum von Geduld.
Da prallen Welten aufeinander und das ist interessant. Pressante Passantinnen und geduldige Malerinnen. Und die sollten sich dann noch verstehen? Eine echte Herausforderung! Da ticken zwei verschiedene Uhren.
Rahel Grunder, 4.4.2011
Rahel Grunder ist am Dienstag, 05. April 2011 an folgenden Orten anzutreffen:
11:00 – 13:00 Uhr Bruchstrasse 12, Schaukasten
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Montag, 4. April 2011
Rahel Grunder: 6. Tag - 12. Ort
Samstag, 2. April 2011
Rahel Grunder: 5. Tag – Wir wollen uns das Wasser nicht trüben lassen!
Rahel Grund teilt mit:
Ich und die Füchse. Wir sind Lebenskünstlerinnen, nachtaktiv und Parasiten unserer Gesellschaft. Wir lassen uns nicht einordnen und fangen.
Ich startete am Montag eine Invasion von Füchsen in Luzern, ein Protest gegen unsere Werbegesellschaft, eine Aufwertung des Stadtbildes.
Jeden Tag werden es mehr und jeden Tag werden sie mehr gesehen.
Mal stehen sie da und schauen uns an, mal laufen sie davon oder werden gejagt.
Nachdem ein Fuchs erschossen und ausgenommen wurde, hängt der Jäger ihn Kopfüber auf. Dies ist so, damit das Blut nicht die wertvollste Stelle des Fuchsfells, den Schwanz, verunreinigt.
Wenn ein Fuchs erschossen wird, passiert dies entweder zur Regulierung einer Überpopulation oder aus reiner Freude an der Jagd.
Der Wert eines Fuchsfells ist heute etwa bei zwanzig Franken pro Stück.
Ich denke ein Fuchsleben ist mehr wert.
Zudem muss ich bemerken, dass ich absolut keine Freundin von Pelzträgerinnen bin. Warum mir ein totes Tier um den Hals hängen und mein Haustier vermenschlichen?
Ann-Kathrin hat ein Strickatelier. Ihr Schaufenster ist mit Werbung voll gehängt, damit sie ihre Miete zahlen kann. Zwei drittel des Raumes dient einem Büromöbelladen als Lager.
Sie wünscht sich einen grösseren Raum, ein kreatives Atelier, wo Leute sich treffen und Ideen austauschen. In der Innenstadt ist dies kaum noch möglich, denn die Mieten sind sehr hoch und die Räume verhältnismässig klein.
Manchmal hänge ich Kopf über im Leben und das Blut in den Ohren rauscht.
Es stimmt mich nachdenklich, dass es immer weniger kulturelle Freiräume in Luzern gibt und es fordert mich dazu heraus, mein Atelier genau an diese Plätze zu verlegen, die mir im Kulturalltag immer unerreichbarer werden zum Benutzen. Hausfassaden, Parks, Bushaltestellen, Plätze.
Rahel Grunder, 1.4.2011
Rahel Grunder ist am Montag, 04. April 2011 an folgenden Orten anzutreffen:
11:00 – 13:30 Uhr Crazy Cactus, Baselstrasse 24
14:00 – 15:00 Uhr CoMix Shop, Pfistergasse 11
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