Sonntag, 19. September 2010

Schlatter unterwegs LXXVI: Auf Fritz Mandelbaums Spuren geraten

Bruno Schlatter teilt mit (Samstag, 18.9.2010)

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Jägermeiser-Abfüllerei

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Türkische Zeitung am Brunnenmarkt, ist halt Thema hier, das Wiener Blut, wir konnten aber die türkischen Kommentare dazu nicht entziffern.

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Die alte Schreibmaschine von Fritz Mandelbaums Vater

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Skulptur im moë


Klaus
in die Wohnung gebracht, Kaffee getrunken, den Blog geschrieben und ins Panigl zum Essen mit Hans und Astrid. Hans ist übrigens derjenige, der Klaus geholfen hat, die Hüttenkunst in Berlin zurecht zu sägen, damit die Lastwagenchauffeure das Ding -jetzt euronormtauglich- einladen konnten. Astrid ist eine alte Freundin von ihm, die hier im Immobiliengeschäft tätig ist. Sie erzählt von einem Kunden, dem sie nicht ganz abnehmen will, dass er der Berater vom Präsidenten sei, worauf ich mich schwer tue, ihr zu erklären, dass sie gerade mit dem König von Noseland speise, verstärkt durch die Tatsache, dass ich energisch in den Oktopussalat steche, ausgleite und der halbe Salat auf dem weissen Tischtuch landet was dann mit Balsamico halt ein ziemliches Fleckendesaster ergibt. Insgesamt können wir den Speisen vom Panigl eine gute Note geben, vor allem die Pappardelle an getrüffelten Steinpilzen und Oktopussalat gefielen. Die Servierdame hatte allerdings nicht den besten Tag, nicht mal das grosszügige Trinkgeld bekam ein Dankeschön, da freu ich mich wieder auf die gute Laune von Jurek.

Hans und Astrid verabschiedeten sich und Klaus folgte mir an den Gürtel. Zuerst beäugten wir das Weinhaus Sittl, von aussen eine Knelle, von innen eine schöne Knelle mit tollem Garten und Überraschung: im Sommer finden hier regelmässig Lesungen statt, ab Oktober beginnt die Kabarett-Saison. Vielleicht reicht es mir, noch eine Lesung zu besuchen. Als Szenewechsel kurz ins Rhiz, wo heute DJs auflegen ehe wir den Ultimo im ‚Kirchenwirt‘ nehmen, bei mir AN der Ecke. Wären da nicht die komisch-grünen Vorhänge und die fremdkörperartige Glastrennwand (ja, auch Österreich kennt den Nichtraucherschutz), wäre das ein tolles altes Lokal: nette Bedienung und interessierte Stammgäste, Fotos vom alten Wien an der Wand und ein wunderbarer Jägermeister-Automat, der könnte dazu dienen, eine Art Jägermeister-Offenausschank zu betreiben.

Konnte nicht schlafen deshalb sehr früh auf, um am dritten Kapitel, am ‚Karboismus‘ weiterzuarbeiten. Um dann später Klaus zu wecken gibt es die ‚Purple Rhinestone Eagle‘, die mit dem Black Sabbath-Gen.

Zuerst gehen wir an den Brunnenmarkt, was Klaus sehr gut gefällt, weil er findet, solche an den Grundbedürfnissen orientierte Märkte gäbe es in Berlin gar nicht mehr. Später Morgenessen mit Hans und Stefan am Hauptlatz des Brunnenmarktes sowie die Verabschiedung von Hans, der nach Berlin zurück fliegt.

Am Nachmittag wollen wir an die ‚dazwischen‘, junge Bilder, eine Gruppenausstellung im moë, wie sich herausstellt wieder mal um die Ecke. Wir geraten zuerst ein Haus zu weit in den ‚Kunstraum Ewigkeitsgasse‘, wo gerade Collagen von Beate Krempe auf die Vernissage am Abend warten. Wir werden vorzeitig eingelassen und zu einem Bier geladen und kommen ins Gespräch. Das Haus wurde von der Familie des kleinen Buben Fritz Mandelbaum bewohnt, der damals, als es noch diese leidigen Helden gab, flüchten musste und in Amerika ein erfolgreicher Schriftsteller wurde, nämlich Frederic Morton, der am 6. Oktober dann seinen Geburtstag mit einer Lesung vor Ort feiern wird. Neben der Galerie gibt es noch eine Bibliothek mit Büchern, die damals von den dummen Helden verbrannt wurden. Ich gedenke, dort nochmals vorbei zu gehen.

Das Moë finden wir daneben, können aber der doch sehr jungen Streetart keinen längeren Aufenthalt abgewinnen.

In einem mühsamen Prozedere kommt Klaus zu seinem City-Bike-Code, womit er sehr günstig Fahrräder ausleiht. Wir gehen an die Berggasse, wo wir die Z-Bar aufgrund eines Tipps von der New Yorker Künstlerin Barbara Rosenthal suchen. Das Haus scheint eher leer und trotz der dienstbeflissenen Hilfe eines vermutlich schwulen Buchhändlers finden wir dort keine passende Bar, worauf wir eine kleine Gassentour machen und unserer Thematik annehmen und über Noseland und die anstehende Gruppenausstellung ‚Satellitenempfangsanlagen‘ sprechen.

Zurück in der Wohnung kocht Klaus leckeren Reis mit Kürbis-Gemüse und Salat, Käse-Kühlschrank-Allerlei…

Abends geht’s an den Praterstern.

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Das Lesetheater veranstaltet das Programm im Sittl

Kunstraum Ewigkeitsgasse

Moë
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